Haschisch aus Marokko

in Kultur/Magazin von

Moin,

ich war da mal mit Homeboy Sami in Marokko unterwegs. Zuerst bin ich nach Südspanien geflogen um dort mit der Fähre von Algeciras über den Pass von Gibraltar zu tuckern. Nur zu empfehlen, wenn man Bock hat den afrikanischen Kontinent auf sich zukommen zu sehen. Drüben in der spanischen Enklave Ceuta angekommen bin ich ich zu Fuß über die Grenze spaziert, wo mich Sami und Rim mit dem Taxi abgeholt haben. Dann nochmal 2,5 Stunden über Landstraßen durchs Gebirge zu unserem Ziel Chefchaouen. Das kleine blaue Städtchen gilt als Tor zum Riffgebirge, dem Hauptanbaugebiet für Marihuana in Marokko.

Meine Mission war es die Plantagen zu besuchen und die Haschisch-Herstellung zu fotografieren. Aus der Vorrecherche wusste ich, dass das auf jeden Fall möglich sein musste und kaum 5 Minuten nachdem wir aus dem Taxi gestiegen waren wurden wir auch schon von einem jungen Mann angesprochen, ob wir eine Tour zum Anbaugebiet machen wollten. Läuft! Wir haben uns erstmal nur seine Telefonnummer geben lassen und ihn wieder abgewimmelt. Auf dem Weg zu unserem Apartment kam kurz darauf schon der nächste mit dem gleichen Angebot. Das ganze ist hier also bereits zur Touristenattraktion geworden.

Um nicht auf irgend etwas hereinzufallen wollten wir uns erstmal einquartieren und mit mehr Leuten darüber sprechen. Der Eigentümer des Hauses in dem wir wohnten erzählte uns dann, nachdem wir ihm unser Vorhaben geschildert haben, dass wir bei ihm an der richtigen Adresse seien. Sein Kumpel aus Deutschland, habe auch schon mal eine Dokumentation zu dem Thema gefilmt. Er holt sein Handy raus, quatscht kurz und zehn Minuten später steht Muhammed auf der Terrasse. „Er hot euch morgen früh um 6 hier vor der Tür ab und zeigt euch alles.“ Na besser kann es ja garnicht laufen.

Am nächsten Morgen also mit Muhammed losmarschiert. Ungefähr eine Stunde lang, Treppen rauf, Treppen runter, Treppen rauf bis an den Stadtrand, über einen alten Friedhof und durch jede Menge Gebüsch auf einem Trampelpfad bis wir zu einer kleinen Hütte gekommen sind vor der ein Bauer mit seinem Neffen saß und Kiff in seiner Pfeife rauchte. Im wild wuchernden Garten vor der Hütte ein paar schläfrige Hühner und eine Ziege. Und dazwischen drei oder vier Pflanzen. Fuck! Reinfall. Wir fragen unseren Guide ob es das schon sein soll. Rim übersetzt. Ja heißt es. Sie zeigen uns noch einen Haufen trocknender Pflanzen in der Hütte und das war schon die ganze Attraktion. Es wird uns Tee, etwas Brot und Kiri-mäßiger Streichkäse angeboten. Wir setzen uns höflicherweise auf eine Tasse, bezahlen Muhammed und machen uns das auf den Rückweg. Wäre ja auch zu schön gewesen.

Wir machen den Tag über Pause und gönnen uns ein wenig Tourispaß. Lecker Essen, noch mehr Tee und schlendern durch die blauen Gassen. Schon kurz vor Sonnenuntergang riecht es vertraut aus einem Souveniershop und der Dude darin bemerkt uns wie wir ihn, ziemlich zeitgleich. „Hey my friend! Come sit with me..!“ usw.. Alright, nächster Kontakt steht. Unser neuer Guide, der sich bei uns unter anderem als „King of Weed“ vorgestellt hat, erzählte uns, dass die Bauern die wir besuchen würden Bekannte seiner Familie seien.  Morgen Mittag, hier vor seinem Geschäft. Für umgerechnet 100 € wird uns sein Kumpel im Auto hinter die Berge bringen, dort wo die richtigen Plantagen sind. Kostproben soll es auch geben.

Diesmal hatten wir mehr Glück, wie verabredet wurden wir pünktlich abgeholt und in einer Blechbüchse von Karre ins Anbaugebiet gebracht. HOLY FUCK! An diesen absolut surrealen Anblick muss man sich einen Moment lang gewöhnen. Kilometer weit erstrecken sich hier die süß riechenden Gewächse. Zwischen den Feldern, auf denen Bäuerinnen die Ernte besorgen, stehen vereinzelt kleine Hütten, in denen das Gras getrocknet und weiterverarbeitet wird.

Die marokkanische Sorte wächst hier ca. 1,5 m hoch an einem dicken Stamm und blüht erst zur Krone hin. Für die Herstellung von Haschisch werden die getrockneten Blühten über einem feinen Seidentuch geklopft. Der Pollen der Blühten wird darunter in Wannen gesammelt und hinterher zu Klumpen geknetet und gepresst. Die Blühten werden mehrmals zum Klopfen verwendet. Dabei entstehen drei verschiedene Qualitäten, die sich in ihrer THC-Konzentration unterscheiden.

Wir verbringen einige Zeit damit durch die Felder zu laufen und sehen uns dann die verschiedenen Abläufe der Herstellung an. Natürlich gibt es auch hier wieder Tee. Diesmal mit Keksen, Pfeifchen und einem Leckerlie to go.

Auf der weiteren Reise durch Marokko besuchten wir auch Rims Eltern in Casablanca, wo mir ihr Vater, der früher für die Regierung gearbeitet und unter anderem auch Transporte gestoppt hat, Aufnahmen von Konfeszierungen und der Verbrennung von einigen hundert Kilo Hasch gezeigt hat. (die Fotos, auf denen das zu sehen ist, sind abfotografierte Abzüge aus seinem Privatbesitz) .

servus, alex .

 

26, geb.: Karaganda/Kazakstan // Studium: 2012-2018 Fotojournalismus & Dokumentarfotografie in Hannover // Assistenz Oliver Mark 2016/17 // schuktuew.com // студиo23 // Band: ZIEL // Basis: Ingolstadt