Interview: Maximilian Schneller

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Für unser aktuelles Interview haben wir Maximilian Schneller ergattert, seines Zeichens Rollholzenthusiast und Gourmet der Straßenfotografie, wohnhaft in Wien. Ein wahrer Botschafter der herrlichsten mit Beton und Asphalt verbundenen Aktivitäten. Ich habe ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit hinter der Linse gestellt, von welcher er eine kleine Serie mit kuriosen Situationen des Alltags in Wien im Gepäck hat. Spoiler: Max ist Profi für Gemütlichkeit und sehr schlecht im Ficks geben.

Dulp: Hi Max, erzähl uns ein bisschen von dir. Was treibst du gerade?
Maximilian: Hey, also ich heiße Maximilian Schneller und komme aus St. Valentin, einer kleinen Stadt im westlichen Niederösterreich, bin aber mittlerweile schon seit sechs Jahren in Wien. Momentan bin ich gerade dabei mein Germanistikstudium abzuschließen und arbeite nebenbei Nachtschichten in einem Hotel. Ansonsten gehe ich eigentlich immer Skaten und versuche den Winter so gut es geht mit Parkgaragen bzw. Indoor Parks rüberzubringen.

Dulp: Du arbeitest hauptsächlich analog. Warum?
Maximilian: Am analogen Fotografieren mag ich vor allem den zeitlichen Abstand der zwischen dem eigentlichen Fotografieren und dem fertigen Scan/Print liegt. Das hilft mir die Fotos etwas sachlicher zu bewerten. Ich glaube auch das die verschiedenen Restriktionen die analoges Fotografieren mit sich bringen gut für meine Arbeit sind. Zum Beispiel, dass man nicht einfach auf dem LCD schauen kann und weiß „Ok, ich hab das Foto“ und deswegen konzentrierter bleibt. Ein praktischer Grund ist auch, dass ich organisatorisch unglaublich schlecht bin, da hilft es für die Ordnerstruktur am PC, dass die Fotos in 36er Einheiten daherkommen (lacht). Ich bin auch kein Fan stundenlang vorm PC zu sitzen um Fotos zu retuschieren. Nach dem Scan reicht bei mir eine einfache Tonwertkorrektur und das war’s dann.

Dulp: Was ist dein Antrieb? Gibt es spezielle Inspirationsquellen, die dich in deiner Arbeitsweise beeinflussen?
Maximilian: Ich mache einfach gerne Fotos und versuche mit den Bildern bei dem Betrachter eine gewisse Reaktion auszulösen. In erster Linie bin ich vom alltäglichen Treiben in der Stadt inspiriert, von den Menschen und deren Interaktionen. Nebenbei natürlich auch Fotobücher oder Ausstellungen. Inwiefern dadurch meine Arbeitsweise beeinflusst wird, kann ich nicht genau definieren.
Generell bin ich von Fotografen begeistert die mitten im Geschehen sind, wie zum Beispiel William Klein, Garry Winogrand, etc.

Dulp: Beim Betrachten deiner Bilder muss man hier und da aufgrund der Situationskomik und der Motive schmunzeln. Ist das ein besonderer Fokus für dich, oder geschieht das intuitiv?
Maximilian: Ein besonderer Fokus würde ich nicht sagen, ich finde halt schnell mal was lustig und muss selber schmunzeln. Dann versuche ich die Situation festzuhalten, vor allem weil es oft wirkt als ob diese kleinen, schrägen Situationen unbemerkt von anderen Leuten auf der Straße passieren, was ich irgendwie schade finde.

Dulp: Du lebst in Wien und fotografierst auch hauptsächlich dort. Was macht die Stadt besonders?
Maximilian: Für mich ist Wien einfach die perfekte Mischung aus Großstadt und gleichzeitig doch irgendwie Kaff. Man kann hier alles auf relativ kompakten Raum haben: Riesige Grünflächen mitten in der Stadt, Konzerte, Skatespots, etc. Nur ein paar „Spätis“ könnte Wien noch vertragen. Außerdem fasziniert mich die Gemächlichkeit mit der hier alles passiert. Es wirkt als ob sich nur die Wenigsten wirklich stressen lassen, die Übrigen gehen lieber mal auf einen Kaffee (oder Bier) und dann wird zuerst mal (lange) überlegt wie es weitergehen soll.

Dulp: Hattest du schon oft Probleme mit Leuten, die du fotografiert hast?
Maximilian: Ja, kommt schon des Öfteren vor, vor allem weil ich mit meinen 28mm Objektiv oft versuche nahe ranzugehen und der Verschluss meiner FM2 auch nicht gerade leise ist. Meistens passiert sowas, wenn ich Kinder fotografierte und von den Eltern „erwischt“ werde. Die glauben dann halt ich mache irgendwas Schräges mit den Fotos. Eh verständlich.

Dulp: Wie regelst du solche Situationen?
Maximilian: Ich versuche den Leuten zu erklären warum ich ein Foto gemacht habe. Ich habe ja nicht vor irgendjemanden bloßzustellen. Manchmal bestehen die Leute darauf das Foto sofort zu löschen. Wenn ich Ihnen dann erkläre, dass das nicht geht, weil es analog ist, sind die Leute oft mal etwas perplex und die Situation regelt sich irgendwie von alleine.

Dulp: Als Abschluss und für dich als Skateboarder: Street Skateboarding und Street Fotografie – gibt es da eine tiefere Verbindung, oder ist das Verhältnis der Beiden arbiträr?
Maximilian: Vielleicht einfach die klassische „Fuck-it!“ Herangehensweise. Oft geht man irgendwo skaten, wo man weiß, dass gleich mal ein Security oder ähnliches kommt, man macht es aber trotzdem. Genauso macht man öfters Fotos wo man weiß, dass man erwischt wird, drückt dann aber dennoch ab, weil die Situation zu verlockend ist. (lacht)

Dulp: Vielen Dank Max!
Maximilian: Ebenso, danke euch!

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Skateboarder, Schlitzohr, Content-Fleischwolf // Born and raised im dirrrrty South, aka. Ingolstadt, Bayern // Ü30, IQ deutlich darunter // Publizistik Studium in Wien 2012-2016 // Seit 2016 lokaler Biertrinker an den Neuköllner Spätis