Halil

in Magazin/People von

Als ich im August für meine Kolumne “Neuköllner Fenstergespräche“ im Schillerkiez unterwegs war, habe ich Halil getroffen. Er lehnte aus dem Fenster mit einer Zigarette und sagte, er rauche gar nicht, aber sein Vater liege ein Zimmer weiter im Sterben und irgendwie müsse er den Stress bewältigen, ohne von der Seite seines Vaters zu weichen. Er bat mich zu bleiben und mit ihm über den Kiez zu sprechen, eben genau das, was ich für meine Kolumne mache. “Lass uns reden, so komme ich wenigstens kurz auf andere Gedanken“ sagte Halil und erzählte mir von Problemen der Verdrängung, von der Würde des Menschen und davon, wie resigniert er ist, von all dem was er in den Deutschen und Türkischen Medien sieht. Das wichtigste aber sei, so Halil, “nie die Hoffnung zu verlieren und immer weiter kämpfen.“ Ich stand eine Stunde bei ihm und habe einfach zugehört, denn Halil hatte einiges zu sagen. Ich bin heute noch überwältigt von der Kraft dieses Menschen in einer so schweren Zeit.

Skateboarder, Schlitzohr, Content-Fleischwolf // Born and raised im dirrrrty South, aka. Ingolstadt, Bayern // Ü30, IQ deutlich darunter // Publizistik Studium in Wien 2012-2016 // Seit 2016 lokaler Biertrinker an den Neuköllner Spätis